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Leseprobe: Kapitel 1

1  nicht für jeden

[...]

  Das größte Geheimnis für den Menschen verbirgt sich hinter der Frage: Wie werde ich glücklich? Ich halte es für wahrscheinlich, dass dich das interessiert. Es kostet etwas, darauf eine Antwort zu finden. Jeder möchte glücklich werden, aber umsonst. Wenigstens ein Schnäppchen soll es sein und zwar sofort. Immer wieder und immer sofort und immer billig. Sorry! Funktioniert nicht. Glücklich wirst du auf diesem Weg nicht, vermutlich früher oder später sehr unglücklich. Aber dann kannst du immer noch den Weg aus der Sackgasse suchen. Den Weg kennt jeder: 180 Grad in die andere Richtung. „Bei der nächsten Gelegenheit bitte wenden“ wiederholt die Navi-Stimme mit Penetranz. Sie kennt mein Ziel und hat den Überblick vom Satelliten, ganz weit oben.

  Leute, die wissen, wie man glücklich wird, hat man früher weise genannt. Sie sind eine aussterbende Art. Viele wissen gar nicht mehr, dass es solche Menschen gibt. Hoffentlich ist dir schon einmal jemand begegnet, von dem du das sagen kannst. Großeltern sind eigentlich dafür vorgesehen, weil sie viel Zeit hatten, aus ihren Fehlern zu lernen. Auch Lehrer und Pfarrer. Die heutige Generation der Großeltern – nichts gegen deine! – macht aus den Fehlern Gesetze. Ich gehöre zu dieser Generation, den berühmten „68ern“,  aber ich habe aus meinen Fehlern gelernt. Das war nicht billig.

[...]

  Ich wünsche mir und dir, dass du dich nach dem Lesen dieses Büchleins – das dauert ungefähr so lang wie ein Besuch – besser fühlst, zuversichtlicher, hoffnungsvoller, entschlossen. Dass du die Ärmel hoch krempelst und sagst: Packen wir’s an. 

  Es gibt eine Voraussetzung, damit dieses Büchlein dir nützlich sein kann. Nötig ist die Bereitschaft zu denken, auch wenn daraus eine Anforderung in dir  selbst erwachsen könnte, etwas in deinem Leben zu ändern. Ich betone: in dir selbst. Anforderungen von außen abzulehnen, ist kein Problem. Das übt man schon, wenn man noch keine drei Jahre alt ist. Aber was, wenn du selbst erkennen müßtest, dass es etwas zu ändern gibt? Die Instanz in der eigenen Seele, die so etwas fordert, heißt Gewissen.

  Die meisten Menschen hören auf zu denken, wenn sie nur wittern, dass ihr Gewissen aus dem Schlaf geweckt werden könnte. Kann man verstehen. Es könnte nämlich beißen.

  Sie hören auf zu denken, wenn sie ahnen, dass sie in Widerspruch mit ihrer Umwelt kommen könnten, dem Mainstream, wie das heute heißt. Der Mainstream ist ein reißender Strom: Denken, was alle denken. Tun, was alle tun. „Dann mögt ihr mich doch und werdet mich nicht zum Außenseiter machen?“,  wimmert das kleine Kind in uns. Jeder hat diese Angst. Wenige überwinden sie. Wären es viele, gäbe es keinen Mainstream und keine Diktaturen.

  Wer trotzdem denkt, ist ein Philosoph, ein Liebhaber der Weisheit. Die gewinnt man nur durch die Bereitschaft, nach der Wahrheit zu fragen und sie zu tun.

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